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... Worte für die Ewigkeit

10 Tipps für WIRKLICHES unglücklich sein!

So, genug mit Glück und Wohlfühlen und guter Laune. Nun ist es endlich an der Zeit, um mal wirklich unglücklich zu sein. Die gute Nachricht an den schlechten Nachrichten? Es ist unfassbar einfach, sich in eine ganz wundervolle depressive Stimmung zu bringen! Du weisst nicht wie? Na, dann investiere einfach ein paar Minuten in die kommenden Zeilen und schon bist Du Profi im scheisse drauf sein.

Konzentriere Dich auf das Negative.

Da Du ja weisst, dass Deine Gedanken wie eine Cruise Missile agieren, fokussiere Dich ganz einfach auf das schlechte im Leben. Denn Du kennst das: was Du sehen willst, das siehst Du. Du willst Dir ein neues Auto kaufen? Ab sofort siehst Du überall dieses Auto. Deine Frau sagt Dir, dass Ihr ein Kind erwartet? Ab sofort siehst Du überall Babysachen. Überall. Immer. Ständig. Und natürlich ist das auch mit negativen Dingen so. Nimm es Dir einfach vor und Deine selektive Wahrnehmung macht den Rest. Die Pfütze, in die Du steigst. Das angebrannte Steak im Restaurant. Die Unpünktlichkeit Deines Partners. Der Tag wird voll sein mit negativen Erfahrungen. Heureka – ist das nicht wundervoll schrecklich herrlich?

Halte alles für absolut selbstverständlich.

Natürlich ist es selbstverständlich, morgens aufzuwachen und erst mal eine heisse Dusche nehmen zu können, ohne erst 5 Kilometer zum nächsten Wasserloch zu rennen. Oder den Kühlschrank aufzumachen, um einen Yoghurt herauszuholen. Nein, was soll man denn auch dankbar dafür sein, dass es Ärzte gibt und eine Pille gegen Kopfschmerzen? Das alles ist das normalste der Welt. Dankbarkeit für unseren Luxus? Für die Familie, die Dich liebt? Freunde, die hinter Dir stehen? Vergiss es, denk nicht einmal dran!

Lebe so oft es geht in der Vergangenheit.

Ja ja, schon Opa sagte, früher war alles besser. Früher gab es die besseren Partys. Die Jugend war besser. Und vor allem Du hättest doch fast alles anders machen können. Hättest Du mal besser in der Schule aufgepasst. Oder doch auf Deine Eltern gehört und einen anständigen Job gelernt. Und weisst Du noch, damals im Urlaub im Süden, als Deine Traumfrau Dich schüchtern angelächelt hat und Du zu viel Schiss hattest, um sie einfach anzusprechen? Unfassbar, wie kann man nur so blöd sein? Darüber mach Dir jeden Tag Gedanken und am besten auch eine ganze Menge Vorwürfe. Geissel Dich, bis die Schmerzen übermächtig werden. Und noch ein ganz klein wenig mehr. Dann – erst dann! – ist es genau richtig!

Warte auf den richtigen Moment.

Ja, das ist in Verbindung mit diesem Vergangenheitsding genau die perfekte Kombination! Zumindest wenn Du Dich so absolut vorbildlich ins Dilemma stürzen willst. Aber deswegen bist Du ja hier. Also los. Und es ist völlig egal, ob es darum geht, einen neue Aufgabe zu beginnen oder eben doch die Traumfrau anzusprechen. Warte noch. Jetzt ist es noch nicht richtig. Morgen ist garantiert auch besseres Wetter und dann ist vielleicht auch Dein kleiner Pickel auf der Stirn etwas wenig sichtbar. Morgen ist besser, glaub einfach daran. Denn dann kann Dir heute nichts, aber auch gar nichts passieren! Ist das nicht wundervoll? Diese herrliche Sicherheit, wenn nichts geschehen kann. Zwar wird auch nichts besser – aber es wird auch nicht schlimmer. Bleibst Du halt in Deinem Job, den Du nicht mehr ertragen kannst. Oder Single, dann nervt Dich auch irgendwann in ein paar Jahren keiner. Wundervoll, dieses Abwarten!

Sei Du selbst Dein größter Feind.

Ja, wer denn sonst? Immerhin kennst Du Dich selbst am besten. Du siehst Dich jeden Tag im Spiegel und musst Deine Macken 24/7 ertragen. Wenn jemand wirklich das Recht dazu hat, dann jawohl Du. Und wenn Du schon dabei bist, dann sei richtig kritisch. Nicht so Larifari – sondern richtig. Mach es wie Francis Galton in seinem famous walk. Rede Dir genau das ein, was Du brauchst, um morgen noch schlechter drauf zu sein. Du bist hässlich. Du bist fett. Du bist blöd. Und ausserdem kommst Du aus der schlimmsten Ecke der Welt. Treibe Dir genau diese Gedanken durch Dein Hirn, bis daraus ein wundervoller Glaubenssatz wird. Ein richtig dicker und fester. Einer, der Dich für den Rest Deines Lebens völlig akkurat runterziehen kann. Es ist doch auch so einfach!

Teile Deine schlechte Laune mit jedem.

Komm, sei ehrlich. So ganz alleine in einer richtig ätzenden Laune zu sein, macht auf Dauer doch auch keinen Spass! Viel schöner – Verzeihung – viel ätzender ist es doch, wenn man jedem sein Unglück klagt. Und es dabei schafft, auch das Gegenüber mit in diesen Strudel der negativen Gedanken zu ziehen. Das können wir Menschen so unglaublich gut, dass es fast schon schön ist. Sobald das erste Eis der negativen Emotionen gebrochen ist, geht die Wilde Wutz doch erst richtig los. In einem Leidgesang über die Ungerechtigkeiten der Welt, das ganze Elend, das jeden Tag durch die Nachrichten schwappt (unbedingt anschauen!), die eigene Misere, den fürchterlichen Job und erst das Gezeter der Kinder – kippt alles zusammen in eine große Karaffe der Verzweiflung. Geteiltes Leid ist halbes Leid? So heisst es doch. Und dann ist es doch egal, dass geteiltes Leid im Grunde gleich doppeltes Leid bedeutet…

 Vergleiche Dich mit anderen.

Und wenn Du nun schon in einem Gespräch mit einem anderen Menschen bist, dann kannst Du auch gleich anfangen, Dich mit ihm zu vergleichen. Ja, genau! Vergleiche Dich mit ihm. 100% wirst Du mindestens zwei drei vier Punkte finden, die in seinem Leben besser laufen. Der Job. Oder das dicke Auto. Vielleicht aber auch der Vierer im Lotto, während Du nur einen Dreier hattest. Suche so lange nach Details, die bei dem anderen vermeintlich besser oder größer oder stabiler oder was auch immer sind – und schon hast Du die Garantie, dass auch dies Dich noch weiter in den Strudel der Traurigkeit ziehen wird. Du bist da echt schon ein wirklicher Fachmann, was schlechte Stimmung und hammerharten Pessimismus betrifft. Hut ab!

Denke ständig an die negativen Möglichkeiten.

Wenn wir schon dabei sind, uns eine akkurate Depression einzufangen, dann darf Paul Watzlawick und seine Anleitung zum Unglücklich sein nicht fehlen. Wie? Die kennst Du noch nicht? Dann kennst Du auch noch nicht die Geschichte mit dem Hammer? Husch husch, schnell gelesen! Doch muss es ja nicht immer ein Hammer sein. Warte doch einfach, bis Du wieder mal eine dieser Situationen mit Deinem Partner hast. Kennst Du das nicht auch? Er oder sie hat irgendwie komisch geschaut. Wusstest Du es doch, da ist was im Busche. Schon lange bist Du Dir doch sicher, dass er / sie Dich verlassen will. Aber was dann? Wie sollst Du Dir hier eine Wohnung leisten können? Du müsstest Deinen Job aufgeben und wegziehen. Ganz alleine. Dabei findest Du doch so schwer neue Freunde. Damit ist das Hobby, mit dem Du gerade angefangen hast, natürlich auch erledigt. Es war ja auch von Anfang an klar, dass das auf Dauer nicht gut gehen kann… Dabei hat Dein Partner nur gerade eine Wimper im Auge. Aber diese sensationelle negative Kausalkette ist einfach zu schön…

Sei absolut rast- und ruhelos.

Handy Handy hurra! Ein Hoch auf diese Erfindung. So kannst Du jedem (unter anderem Dir selbst) zeigen, wie unsagbar wichtig Du bist. Email hier, whatsapp da, FB Messanger dort. Und natürlich noch Aktienkurse und Instagram. Immer Vollgas, immer Attacke. Genau das richtige Tempo für einen ausgereiften Burnout. Yiehaaaa. Wie toll ist es, mit dem Zusatz-Akku auch am Nachmittag noch voll im digitalen Leben stehen zu können. Und wie toll ist es, so ganz geschickt davon absehen zu können, sich mal mit sich selbst zu beschäftigen. Innezuhalten. Den Kopf baumeln zu lassen und den Blick über die Schönheit der Natur zu lenken. Das Baby, das seine Mama verzückt. Den kleinen Hund, der durch den Schnee springt. Nein – halte den Blick bitte um jeden Preis auf Deinem Display. Nur da spielt das wahre Leben.

Lebe Dein Leben für andere.

Das schickt sich nicht. Das macht man nicht. Das gehört sich nicht. Sagt alles der Volksmund. Und der kennt sich aus. Immerhin wissen alle Menschen ganz genau, was gut für Dich ist. Sie sagen es Dir zu jeder Zeit. Und Du gibst Dich ihnen gefälligst hin. Woher sollen sie auch wissen, dass Dein Job Dich ankotzt. Sie meinen es doch gut mit Dir. Oder dass Du gerne mal eine Hut aufsetzen möchtest, weil Du einfach Bock darauf hast. Hut? Da geht dieser höchsten hoch, hörst Du Deinen Partner sagen. Ja, Recht hat er ja. Also heute mal ohne Hut. Und morgen auch. So hast Du zwar keinen Hut. Aber Deine Ruhe. Und die ist dem Volksmund heilig. Und somit auch Dir. Wie schön – all die Unbefriedigung! Damit es anderen gut geht. Du bist ein toller Mensch…


Bist Du das wirklich?! Mag sein.

Bist Du glücklich? Nein? Nicht so wirklich vielleicht? Wenn Du bei den letzten 10 Punkten mindestens das ein oder andere mal geschluckt und dabei genickt hast – dann bist Du es vermutlich nicht…

Aber es ist Deine Entscheidung. Mach so weiter. Oder ändere Dinge. Jetzt. Heute. Sofort.

Leg Dein beklopptes Handy weg. Öffne die Augen. Schaue Dir Dinge an, die Dich glücklich machen. Setze um Himmels Willen einen Hut auf, wenn Du es willst – selbst wenn Du ausschaust wie der letzte Mensch. Denn vielleicht bist Du ja der erste Mensch, der den neuen Trend generiert. Denke positiv. Schau auf Lösungen – sie liegen überall parat. Sei dankbar und teile Deine Freude. Versprühe sie in die Welt. Und Du wirst eben diese doppelt und dreifach zurückbekommen. Versprochen.

Fang an. Jetzt.

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